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Mittwoch, 9. November 2005, 16:36

Eier und Eiswürfel

Verfasst von Regieassistent Lukas Macher in SEOUL, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

Verdammt, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell: War das jetzt schon Seoul? Wir sind doch gerade erst angekommen! Jetzt sind wir schon in Shanghai, und Seoul liegt schon wieder in Gedanken ganz weit hinten... Irgendwie ist das ein beklemmendes Gefühl mit diesen extrem kurzen Aufenthalten, ich fühle mich ein bisschen so, als würde ich mit Augen zu und Luft anhalten Trampolin springen. Was ich damit sagen will, weiß ich selber nicht, aber dieses “weiß ich selber nicht” trifft die Sache schon ganz gut. Wieder muss ich erst mal mit den neuen Eindrücken klarkommen, alle drei Tage weiter reisen ist belastender als ich mir das vorgestellt hatte, nicht nur im Sinne von körperlicher Reise-Belastung, sondern eher auch von mentaler Umstellung auf neue Stadt, neues Land, neues Hotel, neue Zeitzone, neue Schritfzeichen, neue Verkehrsregeln (oder keine Verkehrsregeln in China), neue Währung und so weiter...
Meine Stimmung ist aber trotzdem stabil und gehoben, die allgemeine Stimmung ist und bleibt gut bis sehr gut. Schön auch, dass es sie noch gibt, die “Lost in Translation”-Momente (trotz 5-Sterne-Zivilisation mit Zimmerservice und immer jemandem, der Englisch, wenn nicht sogar Deutsch spricht): Gestern z.B. waren wir noch nachts was essen, das einzige, was noch offen hatte, war eine kleine, etwas ranziger Neonlicht-Imbiss in einem Busbahnhof. Die Frau, die den Laden betrieb, sprach und verstand kein Wort Englisch, Speisekarte war einsprachig, also haben wir etwas hilflos auf vergilbte Essensfotografien an der Wand gezeigt und koreanische Rückfragen mit einem freundliche “Yes” und Kopfnicken beantwortet. Am Ende stand auf meinem Platz eine Schale mit einer, na ja... Suppe, in der Eiswürfel, Nudeln und gekochte Eier schwammen. Warum eigentlich nicht?

Seoul als Stadt hat mir weitaus besser gefallen als erwartet. Ja, es stimmt, schön ist die Stadt nicht wirklich, aber ihre ganze Unentschiedenheit zwischen amerikanisch, kanadisch oder koreanisch sein und die genauestens auf Sauberkeit bedachten Seouliten lassen zwar auf einen guten Neurosen-Gehalt schließen, machen mir Seoul aber eher sympathisch. Außerdem ist der Name Seoul einfach mal toll, weil man so lustige Wortanspielungen und so machen kann: Body und Seoul (Klaus Wallendorf, siehe Blog), Buffalo Seouldier, Le Roi de Seouleil, O Seoule mio. Witzig.
Kommentare (2) +++ Trackbacks (0)
Seoul kompaktLas Vegas am Huangpu

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Kommentare:

+++ Nr. 1 +++

verfasst von Stefan am 11.11.2005 um 21:33

Mein lieber Junge, seoul ich Dir mal was sagen, klingt gefährlich Deine Ernährung. Als Dein ehemaliger Kinderarzt muss ich Dich eindringlich vor Durchfall mit Bauchschmerzen warnen. Cook it, boil it, peel it or forget it, also vor allem die Eiswürfel.
Alles Liebe :-)

(Antworten)

+++ Nr. 1.1 +++

verfasst von Lukas Macher am 12.11.2005 um 17:50

Lieber Kinderarzt,
meine Ernährung sollte keinen Anlass zur Sorge geben, wenn wir mal zum Essen kommen (was nur dann und wann der Fall ist), dann immer viel und lecker! Die Chinesen bombadieren einen immer mit Essen, wenn man im Restaurant ist, der ganze Tisch ist voll, möchte bersten unter der Last, und bevor man auch nur annähreungsweise die Teller geleert hat, wird nachgefüllt... Heute im Goethe-Institut Hongkong habe ich mich aber auch über deutsche Würstchen gefreut!
Liebe Grüße aus Hongkong,
dein ewiger Patient
Lukas

(Antworten)

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