Donnerstag, 10. November 2005, 04:58
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in SHANGHAI, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR
Lieber Vater!
Herzliche Grüße aus Schanghai. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch 1980 bis auf die Strömungsrichtung des Yangtse alles verändert. Die sperrigen Fahrräder von damals wurden brüderlich exportiert und klingeln jetzt alle durch Kuba, Tretgeräte gibt es nur noch im Fitness-Center.
Gestern kamen wir aus Seoul, wie Du dem ersten Blog vielleicht entnommen hast. Was ein Blog ist, weißt Du ja von Heidi. Wenn einem keiner einfällt, nennt man das Blogkade. So ging es mir nun tagelang. Übergroße Eindrucksdichte. Nur im Konzertsaal ist alles wie immer: die Noten mit ihren sauberen Hälsen, die Fermaten, das Geraune im Publikum, die Oboe sagt Aaaa wie beim Arzt, Sir Simon, die Kameraleute, alles alte Kumpels aus Europa, na, und die interkontinentale Huster-Lobby. Eine erwähnenswerte neue Zugabe von Sibelius heißt „Scene with Cranes“, nein, nicht Kräne, sondern Kraniche. Das ist ein ganz leises Stück, das den notorischen Konzert-Zerröchlern das Letzte abverlangt. Die Konzerte fanden im übrigen reichlich Anklang, vor allem beim Publikum. Ovationen und so, weißt schon. ...
Nach städtebaulichen Gesichtspunkten kann ich Seoul immer noch nicht bewerten, aber die Kneipen sind prima. Wir waren von den Hornkollegen Kim Young-Yul und Choi Yoon zur koreanischen Nationalspeise eingeladen, dem Bulgogi, einem brutzelnden Jahrmarkt aus über dem Feuer zerschnittenen Fleischlappen, eingelegtem Kohl und in märchenhaften Gemüsen verborgenen Knoblauchmengen, die noch tagelang die Geschmackseindrücke mitgestalten. Das Ganze nannten wir International Horn Meating. Haha.
Während ich dies schreibe, schaue ich ab und zu auf den Huang Pu River und den dunstverhangenen Fernsehturm von Schanghai und denke, dass ich jetzt vor allem raus möchte, was anschaun, und üben muss ich ja auch noch. Das heutige Konzert ist übrigens ein Fernsehmitschnitt, und in diesem Zusammenhang fällt mir sofort ein, dass wir ja die Steuererklärung für 04 noch nicht gemacht haben. So ist der Musiker ständig Opfer von Veranlagungen. Grüß mal Heidi und die Jungs in Neuss, und sag der Frau Küppers, wir freun uns auf die Reibekuchen. Viele Grüße von Christiane, die ich fern im Bade ahne, denn die Räume sind sehr groß, und in jedem ist was los. In diesem Sinne, bis die Tage, Dein alter Sohn Klaus Helmut.
Während ich dies schreibe, schaue ich ab und zu auf den Huang Pu River und den dunstverhangenen Fernsehturm von Schanghai und denke, dass ich jetzt vor allem raus möchte, was anschaun, und üben muss ich ja auch noch. Das heutige Konzert ist übrigens ein Fernsehmitschnitt, und in diesem Zusammenhang fällt mir sofort ein, dass wir ja die Steuererklärung für 04 noch nicht gemacht haben. So ist der Musiker ständig Opfer von Veranlagungen. Grüß mal Heidi und die Jungs in Neuss, und sag der Frau Küppers, wir freun uns auf die Reibekuchen. Viele Grüße von Christiane, die ich fern im Bade ahne, denn die Räume sind sehr groß, und in jedem ist was los. In diesem Sinne, bis die Tage, Dein alter Sohn Klaus Helmut.
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+++ Nr. 2 +++
verfasst von tanja am 16.11.2005 um 21:24
hallo klausi,
hier in berlin ist es aber eigentlich auch ganz schön, so mit dem blick auf spree river...
-gruß
-tanja
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verfasst von Margot am 10.11.2005 um 16:38
Lieber Klaus,
2002 schlängelte ich mich noch zwischen Fahrrädern und Autos im wilden Durcheinander hindurch - der Blick nach Pudong hat mich auch fasziniert - da ihr sicher wieder unterwegs seid, habt ihr wohl keine Zeit zum Blick vom 84.Stock des Hyatt inb die Gegenrichtung auf das alte Shanghai...
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