Dienstag, 15. November 2005, 06:36
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in HONG KONG
Nach Jahrzehnten globalen Wirkens versucht der erfahrene Tourneemusiker, die beim Ablatschen bildungsdienlicher Sightseeing-Parcours verbrauchte Tagesenergie abends auf dem Konzertpodium in ungebremste Spielfreude umzuwandeln. Das künstlerische Ergebnis dieser Gratwanderungen kann er dann der Tagespresse entnehmen. Den Reaktionen des Publikums zufolge absolvieren wir gerade eine ausgesprochen erfolgreiche Tournee, und ich hoffe, wir dürfen wiederkommen, denn allzu vieles ist noch unbesichtigt geblieben. Vielleicht können wir ja die uns entgangenen Impressionen eines Tages in Thomas Grubes TRIP TO ASIA wiederfinden. Jedenfalls hat die Allgegenwart des Filmteams schon bewirkt, dass ich mir eine Konzertreise ohne diese sympathischen Chronisten kaum noch vorstellen mag. Sie sind anscheinend überall, und so wundert es mich nicht, dass der klangbesessene Tonabnehmer Simon S. auch die Hochhausdächer nach Höreindrücken absucht. (Er muss ja nicht, wie unsereins, im achten…äh…Stock hausen.)
Manche zu Dokumentationszwecken auserwählten Kolleginnen oder Kollegen sieht man nur noch im Zustand höchster Auflösung durchs Bild pixeln. Ich selber geriet vor einem Shanghaier Konzert versehentlich ins Fahndungsraster eines hoffentlich lokalen Fernsehsenders und scheiterte nicht zum ersten Mal an der Frage, was das Besondere unseres Klanges sei und worin sich Karajan, Abbado und Rattle unterscheiden. Nach zwei Wochen Fernost hätte ich fast geantwortet: an der Stäbchenführung. --- In meinem geplanten Welt-Hustenführer werde ich auch auf das Phänomen der exzessiven Überkühlung von (sub-)tropisch gelegenen Konzertsälen eingehen. Eisige Bedüsung macht den Musiker halsstarrig. Toll in Shanghai: dass im märchenhaft schönen Aquarium vom Verzehr von Haifischflossen abgeraten wird, der überragende Blick vom Fernsehturm, das nette Wolkenkratzer-Sortiment, die anhänglichen Musikstudenten, die regionalen Eintöpfe (und wie aufmerxam, fast liebevoll sie serviert werden, lieber Q-Damm-Kellner!)…
Hier beginnt schon der nächste Blog, Hongkong gewidmet. Sehenswertes möchten bitte die Kollegen übernehmen, Hörenswertes auch, aber wie wir uns einmal ganz doll verlaufen haben, was mir die alte Schiffsschraube erzählt hat, warum Alberto und ich unbedingt Marianne schreiben müssen, wieso wir Kontoauszüge aus den Vereinigten Emiraten gefaxt bekamen, und ob man zwei Tage ohne Üben auskommt, das wird hier noch nicht verraten.
Hier beginnt schon der nächste Blog, Hongkong gewidmet. Sehenswertes möchten bitte die Kollegen übernehmen, Hörenswertes auch, aber wie wir uns einmal ganz doll verlaufen haben, was mir die alte Schiffsschraube erzählt hat, warum Alberto und ich unbedingt Marianne schreiben müssen, wieso wir Kontoauszüge aus den Vereinigten Emiraten gefaxt bekamen, und ob man zwei Tage ohne Üben auskommt, das wird hier noch nicht verraten.
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verfasst von Angelika Lasthaus am 15.11.2005 um 10:22
Lieber Herr Wallendorf,
für die beiden Tage enttäuschender Leere im Tagebuchkalender ist Ihr Beitrag eine wirkliche Entschädigung. Danke. Der Galopp durch die Geschehnisse und der rasante Wortwitz lassen auf ziemliche Turbulenzen schließen. Also: Nicht nachlassen! Ruhe bewahren, weiter schreiben!
Nochmals, herzlichen Dank für die Weitergabe der Eindrücke.
Ein Fan.
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