Montag, 21. November 2005, 10:33
Bibi´s Blogsberg. (Dem Goethe-Institut gewidmet)
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in TOKYO
Jede Reise geht, so heißt es,
irgendwann einmal zu Ende.
Dieser Abschlusstext beweist es,
denn er fließt durch Dichterhände
wortreich auf die Tastatur,
dass der Leser ihn genieße.
Nun gestattet bitte nur,
dass ich ihn noch rasch beschließe,
um in erster Linie jenen,
Herren, die ihn installierten,
tief zu danken (wie auch denen,
die ihn inhaltlich verzierten).
Hochverehrliche Autoren,
sehr geehrtes Publikum!
Kaum ist so ein Blog geboren,
ist sein Stündchen auch schon um;
denn, wie alle Medien heute
flücht´ger Zwecke Nahrung sind,
taugt auch er als Tagesbeute
und als Spreu im Datenwind.
Darum seid so gut und speichert,
was im Laufe der Berichte
Euren Horizont bereichert
hat an Form- und Inhaltsdichte.
So, das war´s. Ich muss zur Halle,
wo ich bis zum Abschiedsfest
konzertant-gepflegt erschalle,
bis man mich vom Podium lässt.
irgendwann einmal zu Ende.
Dieser Abschlusstext beweist es,
denn er fließt durch Dichterhände
wortreich auf die Tastatur,
dass der Leser ihn genieße.
Nun gestattet bitte nur,
dass ich ihn noch rasch beschließe,
um in erster Linie jenen,
Herren, die ihn installierten,
tief zu danken (wie auch denen,
die ihn inhaltlich verzierten).
Hochverehrliche Autoren,
sehr geehrtes Publikum!
Kaum ist so ein Blog geboren,
ist sein Stündchen auch schon um;
denn, wie alle Medien heute
flücht´ger Zwecke Nahrung sind,
taugt auch er als Tagesbeute
und als Spreu im Datenwind.
Darum seid so gut und speichert,
was im Laufe der Berichte
Euren Horizont bereichert
hat an Form- und Inhaltsdichte.
So, das war´s. Ich muss zur Halle,
wo ich bis zum Abschiedsfest
konzertant-gepflegt erschalle,
bis man mich vom Podium lässt.
Sonntag, 20. November 2005, 10:45
"Der Air Condition kannst nicht entwischen"
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in TOKYO
Es ist schon grausam, was sich die Menschen antun, nur um einige Sommerstunden lang bloß nicht zu schwitzen, obwohl sie doch sowieso die dazu nötigen geruchsrelevanten Drüsen gar nicht aufweisen, die Chinesen zumindest, sagt Kai Strittmatter. Also, Kampf der Zwangsbedüsung! Als Hornist ist einem ja lebenslang an optimalen Luftbedingungen gelegen, aber diese Art von Air Condition is an only catastrophy is it. Und zwar throughout ze continent(s). - - - And what I all for impressions outleft have, recently, goes on no cowskin:
In Hongkong sind wir – Gottchen, schon so lange her! - mit der doppelstöckigen Tramway zum Flairchecking nach North Point gefahren, durch basarähnliche Marktgässchen zwischen recht unansehnlichen Hochhäusern, von deren Fensterfronten kopflose Anwohnerhemden gespensterhaft bleich herunterwinken. Auch mit der Kabelbahn sind wir gefahren, PIECK-TRAM genannt, dachten wir als alte Junge Pioniere bei der ersten Erwähnung, aber dann hieß es doch PEAK und war wirklich Spitze mit dem Fernweh bereitenden Hafenblick. Mit der Fähre sind wir zum...na gut, sagt man eigentlich nicht: DIENST gefahren und im Hongkong Zoo gibt es einen hundemüden Jaguar und ein eiskaltes Treibhaus und überall kann man sich billig Klamotten schneidern lassen und auf der Hafenrundfahrt konnte man erfahren, wie Hongkong vor 16 Jahren aussah und wie lange Fußmassagen wirken. Zum 4. Male Eroica und Heldenleben, und schon sind wir in Taipeh. Nicht direkt spektakulär schön...die Stadt, aber die Bewohner reißen´s wieder raus. Aufregend für Bahnfäns: eine Fahrt mit der absichtlich führerlosen Stadtbahn zum Taipeh Zoo hinaus. Dort beobachten wir Fledermäuse beim Abhängen, der Fettschwänzige Zwerglemur hat rotgeränderte Augen, lag´s am Zookater?- - - Das Konzert: so gut kann man kaum spielen, wie da getobt wird, besonders beim post-konzertanten „Open Air Clap In“, wir werden mit Sir Simon bejubelt „wie richtche Bobschdaars“, saacht ahms ä Lobbysachse. Karl Moik würde sich vor Neid im Grabe umdrehen, wenn er nicht noch lebte. Anderntags Wachablösung im „Tschiang Kai Schek Memorial“ – sehr kultig. (Aber wieso Kai? Vorfahren aus Neumünster?)
NICHT waren wir im berühmten Museum mit den vielen Kunstgegenständen und auch nicht auf den Nacht- oder Schlangenmärkten. Manfred war aber z.B. dort, bloß der schreibt leider nix. Und wegen dem Korea-Gastspiel: die Oper von Camille Saint-Saens heißt NICHT „Samsung und Dalila“. Ja und nun sitz ich in Tokio und bedaure den durch tagelange Ablenkung verschuldeten Dokumentationsstau. Was sagtn der Blogwart dazu? Und: hee, Alberto: wir MÜSSEN Marianne schreiben!
In Hongkong sind wir – Gottchen, schon so lange her! - mit der doppelstöckigen Tramway zum Flairchecking nach North Point gefahren, durch basarähnliche Marktgässchen zwischen recht unansehnlichen Hochhäusern, von deren Fensterfronten kopflose Anwohnerhemden gespensterhaft bleich herunterwinken. Auch mit der Kabelbahn sind wir gefahren, PIECK-TRAM genannt, dachten wir als alte Junge Pioniere bei der ersten Erwähnung, aber dann hieß es doch PEAK und war wirklich Spitze mit dem Fernweh bereitenden Hafenblick. Mit der Fähre sind wir zum...na gut, sagt man eigentlich nicht: DIENST gefahren und im Hongkong Zoo gibt es einen hundemüden Jaguar und ein eiskaltes Treibhaus und überall kann man sich billig Klamotten schneidern lassen und auf der Hafenrundfahrt konnte man erfahren, wie Hongkong vor 16 Jahren aussah und wie lange Fußmassagen wirken. Zum 4. Male Eroica und Heldenleben, und schon sind wir in Taipeh. Nicht direkt spektakulär schön...die Stadt, aber die Bewohner reißen´s wieder raus. Aufregend für Bahnfäns: eine Fahrt mit der absichtlich führerlosen Stadtbahn zum Taipeh Zoo hinaus. Dort beobachten wir Fledermäuse beim Abhängen, der Fettschwänzige Zwerglemur hat rotgeränderte Augen, lag´s am Zookater?- - - Das Konzert: so gut kann man kaum spielen, wie da getobt wird, besonders beim post-konzertanten „Open Air Clap In“, wir werden mit Sir Simon bejubelt „wie richtche Bobschdaars“, saacht ahms ä Lobbysachse. Karl Moik würde sich vor Neid im Grabe umdrehen, wenn er nicht noch lebte. Anderntags Wachablösung im „Tschiang Kai Schek Memorial“ – sehr kultig. (Aber wieso Kai? Vorfahren aus Neumünster?)
NICHT waren wir im berühmten Museum mit den vielen Kunstgegenständen und auch nicht auf den Nacht- oder Schlangenmärkten. Manfred war aber z.B. dort, bloß der schreibt leider nix. Und wegen dem Korea-Gastspiel: die Oper von Camille Saint-Saens heißt NICHT „Samsung und Dalila“. Ja und nun sitz ich in Tokio und bedaure den durch tagelange Ablenkung verschuldeten Dokumentationsstau. Was sagtn der Blogwart dazu? Und: hee, Alberto: wir MÜSSEN Marianne schreiben!
Dienstag, 15. November 2005, 06:36
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in HONG KONG
Nach Jahrzehnten globalen Wirkens versucht der erfahrene Tourneemusiker, die beim Ablatschen bildungsdienlicher Sightseeing-Parcours verbrauchte Tagesenergie abends auf dem Konzertpodium in ungebremste Spielfreude umzuwandeln. Das künstlerische Ergebnis dieser Gratwanderungen kann er dann der Tagespresse entnehmen. Den Reaktionen des Publikums zufolge absolvieren wir gerade eine ausgesprochen erfolgreiche Tournee, und ich hoffe, wir dürfen wiederkommen, denn allzu vieles ist noch unbesichtigt geblieben. Vielleicht können wir ja die uns entgangenen Impressionen eines Tages in Thomas Grubes TRIP TO ASIA wiederfinden. Jedenfalls hat die Allgegenwart des Filmteams schon bewirkt, dass ich mir eine Konzertreise ohne diese sympathischen Chronisten kaum noch vorstellen mag. Sie sind anscheinend überall, und so wundert es mich nicht, dass der klangbesessene Tonabnehmer Simon S. auch die Hochhausdächer nach Höreindrücken absucht. (Er muss ja nicht, wie unsereins, im achten…äh…Stock hausen.)
Donnerstag, 10. November 2005, 04:58
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in SHANGHAI, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR
Lieber Vater!
Herzliche Grüße aus Schanghai. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch 1980 bis auf die Strömungsrichtung des Yangtse alles verändert. Die sperrigen Fahrräder von damals wurden brüderlich exportiert und klingeln jetzt alle durch Kuba, Tretgeräte gibt es nur noch im Fitness-Center.
Gestern kamen wir aus Seoul, wie Du dem ersten Blog vielleicht entnommen hast. Was ein Blog ist, weißt Du ja von Heidi. Wenn einem keiner einfällt, nennt man das Blogkade. So ging es mir nun tagelang. Übergroße Eindrucksdichte. Nur im Konzertsaal ist alles wie immer: die Noten mit ihren sauberen Hälsen, die Fermaten, das Geraune im Publikum, die Oboe sagt Aaaa wie beim Arzt, Sir Simon, die Kameraleute, alles alte Kumpels aus Europa, na, und die interkontinentale Huster-Lobby. Eine erwähnenswerte neue Zugabe von Sibelius heißt „Scene with Cranes“, nein, nicht Kräne, sondern Kraniche. Das ist ein ganz leises Stück, das den notorischen Konzert-Zerröchlern das Letzte abverlangt. Die Konzerte fanden im übrigen reichlich Anklang, vor allem beim Publikum. Ovationen und so, weißt schon. ...
Dienstag, 8. November 2005, 05:56
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR
„Es wäre schön vom lieben Herrjott,
ließ´ er mich schlafen, hier im Marriott“,
schoss es mir gestern Nacht durch den überwachen Schädel. Das war gegen 4 Uhr 30, und durch die tagsüber so hermetisch dichten Hotelfenster konnte man mühelos die rückwärts fahrenden Baustellen-Fahrzeuge von den vorwärts fahrenden unterscheiden, am Piepsen. Was die da wohl bauen, nachts? In Seoul steht schon so viel. In Peking hätte man´s durch den Smog gar nicht erst erkennen können. Dort haben wir zwei Proben und die damit verbundenen zwei Konzerte bewältigt, die Große Mauer besucht (trotz aller Vandaleneinfälle noch immer ohne Graffiti!), die Ming-Gräber, die Verbotene Stadt, Starbucks, das Restaurant „Le Quai“ gegenüber dem Werktätigen-Stadion…ah ja, dorthin hatte uns mein alter Freund (Don) Huang eingeladen; …es gab Erlesenes und Gesottenes…unseren „Kinesen an der Ecke“ kann und muss man nach einem solchen Mahl einfach für lange Zeit vergessen. Schlecht essen in China? Für den Tourneemusiker schwierig. Der Verpflegungsautomat im Poly Theatre enthält allerdings – für 5 Yüan – neben herkömmlichen Erdnüssen oder Schokoriegeln auch eine Anzahl eingeschweißter Hühnerfüße…also…nicht Schweißfüße vom Huhn, sondern, Ihr wisst schon…in der Plastiktüte; die heißen ZHANG SHANG GONG FU und mehr weiß man nicht.
Der Konzertsaal hängt voller Schilder, denen man z.B. entnehmen kann, dass “Smoking and fighting is prohibited; please observe public morality in the theatre“ und wer dort schon so alles außer uns aufgetreten ist: „The Australian Tip-Tap Dog Dance Troupe“ etwa, „The Russia Red Hag Fast East Military Song and Dance Group“, „The Ireland Gacique Band“ oder der „Air Force Blue Sky Art Kindergarten“.
Bei so wenig Zeit zwischen so viel Neuem und Alten kommt man sich vor wie die japanischen Reisegruppen auf der Tour „Europa in 48 Stunden“ – bei der Besichtigung des Tian´anmen-Platzes und der Verbotenen Stadt erfuhr unsere Gruppe alles wesentliche über…ja wirklich!...das Paarungsverhalten der Pandas, der kaiserlichen Konkubinen und der chinesischen Ehefrau als solcher, sobald sie den sagenhaften Drachenstatus erlangt hat, der sie laut Reiseführer Max als „die am besten Böserin“ ausweist. Auf der Strecke von Peking hierher gab´s Fliegenden Fisch. Außerdem ist man dauernd müde. Und die Fenster gehen nicht auf. Und heute wird nicht geübt. Und jetzt ist erstmal Schluss, wir gehn schwümm. Body and Seoul.
ließ´ er mich schlafen, hier im Marriott“,
schoss es mir gestern Nacht durch den überwachen Schädel. Das war gegen 4 Uhr 30, und durch die tagsüber so hermetisch dichten Hotelfenster konnte man mühelos die rückwärts fahrenden Baustellen-Fahrzeuge von den vorwärts fahrenden unterscheiden, am Piepsen. Was die da wohl bauen, nachts? In Seoul steht schon so viel. In Peking hätte man´s durch den Smog gar nicht erst erkennen können. Dort haben wir zwei Proben und die damit verbundenen zwei Konzerte bewältigt, die Große Mauer besucht (trotz aller Vandaleneinfälle noch immer ohne Graffiti!), die Ming-Gräber, die Verbotene Stadt, Starbucks, das Restaurant „Le Quai“ gegenüber dem Werktätigen-Stadion…ah ja, dorthin hatte uns mein alter Freund (Don) Huang eingeladen; …es gab Erlesenes und Gesottenes…unseren „Kinesen an der Ecke“ kann und muss man nach einem solchen Mahl einfach für lange Zeit vergessen. Schlecht essen in China? Für den Tourneemusiker schwierig. Der Verpflegungsautomat im Poly Theatre enthält allerdings – für 5 Yüan – neben herkömmlichen Erdnüssen oder Schokoriegeln auch eine Anzahl eingeschweißter Hühnerfüße…also…nicht Schweißfüße vom Huhn, sondern, Ihr wisst schon…in der Plastiktüte; die heißen ZHANG SHANG GONG FU und mehr weiß man nicht.
Der Konzertsaal hängt voller Schilder, denen man z.B. entnehmen kann, dass “Smoking and fighting is prohibited; please observe public morality in the theatre“ und wer dort schon so alles außer uns aufgetreten ist: „The Australian Tip-Tap Dog Dance Troupe“ etwa, „The Russia Red Hag Fast East Military Song and Dance Group“, „The Ireland Gacique Band“ oder der „Air Force Blue Sky Art Kindergarten“.
Bei so wenig Zeit zwischen so viel Neuem und Alten kommt man sich vor wie die japanischen Reisegruppen auf der Tour „Europa in 48 Stunden“ – bei der Besichtigung des Tian´anmen-Platzes und der Verbotenen Stadt erfuhr unsere Gruppe alles wesentliche über…ja wirklich!...das Paarungsverhalten der Pandas, der kaiserlichen Konkubinen und der chinesischen Ehefrau als solcher, sobald sie den sagenhaften Drachenstatus erlangt hat, der sie laut Reiseführer Max als „die am besten Böserin“ ausweist. Auf der Strecke von Peking hierher gab´s Fliegenden Fisch. Außerdem ist man dauernd müde. Und die Fenster gehen nicht auf. Und heute wird nicht geübt. Und jetzt ist erstmal Schluss, wir gehn schwümm. Body and Seoul.
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