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Donnerstag, 10. November 2005, 18:19

Shanghai ist anders

Verfasst von Komponist Simon Stockhausen in SHANGHAI, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

ein Ausschnitt des Oriental Arts Center, in dem die Konzerte stattfinden
das zweithöchste Haus der Welt

In dieser Stadt möchte man Architekt sein und 100 Jahre alt werden, oder besser 200, dann schafft man wenigstens ein paar dieser niedlichen Häuser. Höher, schneller, weiter sind Adjektive, die hier nicht greifen, für die hier vorherrschende Dynamik müßen erst noch Wörter gefunden werden. Das gilt allerdings nicht für die organisatorische Seite des Lebens. Da es für jede Aufgabe ungefähr 10 verantwortliche Funktionsträger gibt, verwirren sich die Menschen scheinbar gegenseitig. Im Konzertsaal gibt es für jede Tür ca. 3 Wächter, die auch nach dem fünzigsten Mal noch auf dein Umhängeschild schauen, das Dich als zutrittsberechtigt ausweist und für jeden Flur gibt es eine extra Putzfrau, die den ganzen Tag akribisch die gleichen 8qm bohnert. Heute war ich den ganzen Tag mit Alberto auf Schatzsuche, bei Nacht sind wir nochmal auf das Peace-Hotel hinauf und Alberto hat futuristischste Bilder gesammelt, während auf dem Fluß ein gigantischer Frachter passierte, der sein Nebelhorn in den verregnet-nebligen Himmel stieß. Danach ein Getränk in der Bar unten, wo ich die garantiert schlechteste Jazz-Band meines Lebens gehört habe. Beim Versuch, Beweismaterial für diese Behauptung zu sammeln, erwischt mich der Manager und will 300 irgendwas von mir haben, woraufhin wir das Lokal verlassen und auf der Strasse weiterdrehen. Die abschließende Shanghai-Klangkomposition wird ein paar dieser Eindrücke wiedergeben, dafür bin ich aber heute nacht zu müde, ich reiche das die Tage nach. I like Shanghai und ich mag die Chinesen, ein irres Land! Nachtrag am 12.11. um 2Uhr 13:Vor unserer Weiterreise mußte ich diese kleine Klangattacke noch fertig machen und ins Netz stellen, am Besten auf großen Boxen hören!

soundofshanghai.mp3 copyright S.Stockhausen
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Donnerstag, 10. November 2005, 04:58

Offener Blog an Papi

Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in SHANGHAI, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR




Lieber Vater!
Herzliche Grüße aus Schanghai. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch 1980 bis auf die Strömungsrichtung des Yangtse alles verändert. Die sperrigen Fahrräder von damals wurden brüderlich exportiert und klingeln jetzt alle durch Kuba, Tretgeräte gibt es nur noch im Fitness-Center.
Gestern kamen wir aus Seoul, wie Du dem ersten Blog vielleicht entnommen hast. Was ein Blog ist, weißt Du ja von Heidi. Wenn einem keiner einfällt, nennt man das Blogkade. So ging es mir nun tagelang. Übergroße Eindrucksdichte. Nur im Konzertsaal ist alles wie immer: die Noten mit ihren sauberen Hälsen, die Fermaten, das Geraune im Publikum, die Oboe sagt Aaaa wie beim Arzt, Sir Simon, die Kameraleute, alles alte Kumpels aus Europa, na, und die interkontinentale Huster-Lobby. Eine erwähnenswerte neue Zugabe von Sibelius heißt „Scene with Cranes“, nein, nicht Kräne, sondern Kraniche. Das ist ein ganz leises Stück, das den notorischen Konzert-Zerröchlern das Letzte abverlangt. Die Konzerte fanden im übrigen reichlich Anklang, vor allem beim Publikum. Ovationen und so, weißt schon. ...
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Mittwoch, 9. November 2005, 17:59

Las Vegas am Huangpu

Verfasst von Pressesprecher Marc Chahin in SHANGHAI, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

Shanghai ist ganz sicher die bisher aufregendste Station der Reise. Die Stadt strotzt von Energie, Aufbruchsstimmung und Zukunftsglaube. Während wir in Berlin auf den „Bahn Tower“ stolz sind, setzt man hier einfach einen doppelt so großen Turm auf einen Wolkenkratzer oben drauf. Heute Abend habe ich gelernt, dass in Shanghai in den letzen 10 Jahren mehr Wolkenkratzer gebaut wurden als in New York überhaupt jemals. Und das Ganze präsentiert sich hier mit einer atemberaubenden Lässigkeit.
Die Ankunft am Flughafen war erst mal nicht so ungewöhnlich: halt noch so ein ultramoderner und riesiger asiatischer Airport, wo die Jumbos im Minutentakt starten und landen. Genau wie in Seoul und Peking auch. Nachdem wir aber den Bus bestiegen, fuhren wir ziemlich bald am Transrapid-Terminal vorbei, und ein paar Minuten später überholte uns auch schon der erste Schnellzug.

Als wir uns dann langsam der Stadt näherten, wurden die Häuser immer höher, futuristischer, kurz unmöglicher und unvorstellbarer. Wir fuhren an der Konzerthalle, dem „Oriental Arts Center“, das den Grundriss einer Blüte hat, vorbei. Davor hing ein überdimensionales Poster der Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattles. Das war unsere bombastischste Begrüßung bisher.
Vom Hotelzimmer aus bietet sich dann ein atemberaubender Ausblick über den Huangpu Fluss auf die „Altstadt“. Und das ist nur der Blick aus dem 13. Stock. Die Kollegen, die im Grand Hyatt untergekommen sind, wohnen im 72. Stock. Wie es wohl von dort aussieht? ...

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Mittwoch, 9. November 2005, 16:36

Eier und Eiswürfel

Verfasst von Regieassistent Lukas Macher in SEOUL, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

Verdammt, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell: War das jetzt schon Seoul? Wir sind doch gerade erst angekommen! Jetzt sind wir schon in Shanghai, und Seoul liegt schon wieder in Gedanken ganz weit hinten... Irgendwie ist das ein beklemmendes Gefühl mit diesen extrem kurzen Aufenthalten, ich fühle mich ein bisschen so, als würde ich mit Augen zu und Luft anhalten Trampolin springen. Was ich damit sagen will, weiß ich selber nicht, aber dieses “weiß ich selber nicht” trifft die Sache schon ganz gut. Wieder muss ich erst mal mit den neuen Eindrücken klarkommen, alle drei Tage weiter reisen ist belastender als ich mir das vorgestellt hatte, nicht nur im Sinne von körperlicher Reise-Belastung, sondern eher auch von mentaler Umstellung auf neue Stadt, neues Land, neues Hotel, neue Zeitzone, neue Schritfzeichen, neue Verkehrsregeln (oder keine Verkehrsregeln in China), neue Währung und so weiter...
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Dienstag, 8. November 2005, 05:56

Aller Anfang ...

Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

„Es wäre schön vom lieben Herrjott,
ließ´ er mich schlafen, hier im Marriott“,
schoss es mir gestern Nacht durch den überwachen Schädel. Das war gegen 4 Uhr 30, und durch die tagsüber so hermetisch dichten Hotelfenster konnte man mühelos die rückwärts fahrenden Baustellen-Fahrzeuge von den vorwärts fahrenden unterscheiden, am Piepsen. Was die da wohl bauen, nachts? In Seoul steht schon so viel. In Peking hätte man´s durch den Smog gar nicht erst erkennen können. Dort haben wir zwei Proben und die damit verbundenen zwei Konzerte bewältigt, die Große Mauer besucht (trotz aller Vandaleneinfälle noch immer ohne Graffiti!), die Ming-Gräber, die Verbotene Stadt, Starbucks, das Restaurant „Le Quai“ gegenüber dem Werktätigen-Stadion…ah ja, dorthin hatte uns mein alter Freund (Don) Huang eingeladen; …es gab Erlesenes und Gesottenes…unseren „Kinesen an der Ecke“ kann und muss man nach einem solchen Mahl einfach für lange Zeit vergessen. Schlecht essen in China? Für den Tourneemusiker schwierig. Der Verpflegungsautomat im Poly Theatre enthält allerdings – für 5 Yüan – neben herkömmlichen Erdnüssen oder Schokoriegeln auch eine Anzahl eingeschweißter Hühnerfüße…also…nicht Schweißfüße vom Huhn, sondern, Ihr wisst schon…in der Plastiktüte; die heißen ZHANG SHANG GONG FU und mehr weiß man nicht.

Der Konzertsaal hängt voller Schilder, denen man z.B. entnehmen kann, dass “Smoking and fighting is prohibited; please observe public morality in the theatre“ und wer dort schon so alles außer uns aufgetreten ist: „The Australian Tip-Tap Dog Dance Troupe“ etwa, „The Russia Red Hag Fast East Military Song and Dance Group“, „The Ireland Gacique Band“ oder der „Air Force Blue Sky Art Kindergarten“.

Bei so wenig Zeit zwischen so viel Neuem und Alten kommt man sich vor wie die japanischen Reisegruppen auf der Tour „Europa in 48 Stunden“ – bei der Besichtigung des Tian´anmen-Platzes und der Verbotenen Stadt erfuhr unsere Gruppe alles wesentliche über…ja wirklich!...das Paarungsverhalten der Pandas, der kaiserlichen Konkubinen und der chinesischen Ehefrau als solcher, sobald sie den sagenhaften Drachenstatus erlangt hat, der sie laut Reiseführer Max als „die am besten Böserin“ ausweist. Auf der Strecke von Peking hierher gab´s Fliegenden Fisch. Außerdem ist man dauernd müde. Und die Fenster gehen nicht auf. Und heute wird nicht geübt. Und jetzt ist erstmal Schluss, wir gehn schwümm. Body and Seoul.



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