Sonntag, 20. November 2005, 10:45
"Der Air Condition kannst nicht entwischen"
Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in TOKYO
Es ist schon grausam, was sich die Menschen antun, nur um einige Sommerstunden lang bloß nicht zu schwitzen, obwohl sie doch sowieso die dazu nötigen geruchsrelevanten Drüsen gar nicht aufweisen, die Chinesen zumindest, sagt Kai Strittmatter. Also, Kampf der Zwangsbedüsung! Als Hornist ist einem ja lebenslang an optimalen Luftbedingungen gelegen, aber diese Art von Air Condition is an only catastrophy is it. Und zwar throughout ze continent(s). - - - And what I all for impressions outleft have, recently, goes on no cowskin:
In Hongkong sind wir – Gottchen, schon so lange her! - mit der doppelstöckigen Tramway zum Flairchecking nach North Point gefahren, durch basarähnliche Marktgässchen zwischen recht unansehnlichen Hochhäusern, von deren Fensterfronten kopflose Anwohnerhemden gespensterhaft bleich herunterwinken. Auch mit der Kabelbahn sind wir gefahren, PIECK-TRAM genannt, dachten wir als alte Junge Pioniere bei der ersten Erwähnung, aber dann hieß es doch PEAK und war wirklich Spitze mit dem Fernweh bereitenden Hafenblick. Mit der Fähre sind wir zum...na gut, sagt man eigentlich nicht: DIENST gefahren und im Hongkong Zoo gibt es einen hundemüden Jaguar und ein eiskaltes Treibhaus und überall kann man sich billig Klamotten schneidern lassen und auf der Hafenrundfahrt konnte man erfahren, wie Hongkong vor 16 Jahren aussah und wie lange Fußmassagen wirken. Zum 4. Male Eroica und Heldenleben, und schon sind wir in Taipeh. Nicht direkt spektakulär schön...die Stadt, aber die Bewohner reißen´s wieder raus. Aufregend für Bahnfäns: eine Fahrt mit der absichtlich führerlosen Stadtbahn zum Taipeh Zoo hinaus. Dort beobachten wir Fledermäuse beim Abhängen, der Fettschwänzige Zwerglemur hat rotgeränderte Augen, lag´s am Zookater?- - - Das Konzert: so gut kann man kaum spielen, wie da getobt wird, besonders beim post-konzertanten „Open Air Clap In“, wir werden mit Sir Simon bejubelt „wie richtche Bobschdaars“, saacht ahms ä Lobbysachse. Karl Moik würde sich vor Neid im Grabe umdrehen, wenn er nicht noch lebte. Anderntags Wachablösung im „Tschiang Kai Schek Memorial“ – sehr kultig. (Aber wieso Kai? Vorfahren aus Neumünster?)
NICHT waren wir im berühmten Museum mit den vielen Kunstgegenständen und auch nicht auf den Nacht- oder Schlangenmärkten. Manfred war aber z.B. dort, bloß der schreibt leider nix. Und wegen dem Korea-Gastspiel: die Oper von Camille Saint-Saens heißt NICHT „Samsung und Dalila“. Ja und nun sitz ich in Tokio und bedaure den durch tagelange Ablenkung verschuldeten Dokumentationsstau. Was sagtn der Blogwart dazu? Und: hee, Alberto: wir MÜSSEN Marianne schreiben!
In Hongkong sind wir – Gottchen, schon so lange her! - mit der doppelstöckigen Tramway zum Flairchecking nach North Point gefahren, durch basarähnliche Marktgässchen zwischen recht unansehnlichen Hochhäusern, von deren Fensterfronten kopflose Anwohnerhemden gespensterhaft bleich herunterwinken. Auch mit der Kabelbahn sind wir gefahren, PIECK-TRAM genannt, dachten wir als alte Junge Pioniere bei der ersten Erwähnung, aber dann hieß es doch PEAK und war wirklich Spitze mit dem Fernweh bereitenden Hafenblick. Mit der Fähre sind wir zum...na gut, sagt man eigentlich nicht: DIENST gefahren und im Hongkong Zoo gibt es einen hundemüden Jaguar und ein eiskaltes Treibhaus und überall kann man sich billig Klamotten schneidern lassen und auf der Hafenrundfahrt konnte man erfahren, wie Hongkong vor 16 Jahren aussah und wie lange Fußmassagen wirken. Zum 4. Male Eroica und Heldenleben, und schon sind wir in Taipeh. Nicht direkt spektakulär schön...die Stadt, aber die Bewohner reißen´s wieder raus. Aufregend für Bahnfäns: eine Fahrt mit der absichtlich führerlosen Stadtbahn zum Taipeh Zoo hinaus. Dort beobachten wir Fledermäuse beim Abhängen, der Fettschwänzige Zwerglemur hat rotgeränderte Augen, lag´s am Zookater?- - - Das Konzert: so gut kann man kaum spielen, wie da getobt wird, besonders beim post-konzertanten „Open Air Clap In“, wir werden mit Sir Simon bejubelt „wie richtche Bobschdaars“, saacht ahms ä Lobbysachse. Karl Moik würde sich vor Neid im Grabe umdrehen, wenn er nicht noch lebte. Anderntags Wachablösung im „Tschiang Kai Schek Memorial“ – sehr kultig. (Aber wieso Kai? Vorfahren aus Neumünster?)
NICHT waren wir im berühmten Museum mit den vielen Kunstgegenständen und auch nicht auf den Nacht- oder Schlangenmärkten. Manfred war aber z.B. dort, bloß der schreibt leider nix. Und wegen dem Korea-Gastspiel: die Oper von Camille Saint-Saens heißt NICHT „Samsung und Dalila“. Ja und nun sitz ich in Tokio und bedaure den durch tagelange Ablenkung verschuldeten Dokumentationsstau. Was sagtn der Blogwart dazu? Und: hee, Alberto: wir MÜSSEN Marianne schreiben!
Samstag, 19. November 2005, 17:23
It's getting very near the end...
Verfasst von Regieassistent Lukas Macher in TOKYO, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR
Jetzt, wo wir in Tokyo angekommen sind, immerhin unserer letzten Etappe, habe ich mich ein letztes Mal der Zimmernummer-Herausforderung gestellt: Erinnerst du dich noch an deine Zimmernummern in den Hotels aller Städte? Ich glaube schon: Peking 539, Seoul 1422, Shanghai 703, Hongkong 809, Taipeh 740, Tokyo S538. Wirklich komisch, dass ich das noch weiß... Wahrscheinlich ist es so, dass jede dieser Nummern für eine ganz bestimmte, eigene Stimmung steht, die mit jeder Stadt verbunden war... Dabei merke ich, dass ich schon in der Vergangenheitsform schreibe, und da muss ich mich, die Kirche im Dorf lassend, doch mal unterbrechen: NOCH ist die Reise nicht vorbei...
Samstag, 19. November 2005, 16:13
Verfasst von Line Producer Axel Johannis in TOKYO
3000 Meilen über dem Meer zwischen Taipei und Tokyo.
Andreas, der Assistent von Simon Rattle hat im Sitz neben mir die Augen geschlossen. Vielleicht ziehen in ihm die Bilder von gestern abend vorüber. Über 20.000 Taiwaner haben ihn und seinen Boss mit Ihren gleißenden Handy-Displays und glühend erregten Gesichtern vor der nächtlichen Konzerthalle in ein Meer aus Freude und Licht eintauchen lassen.
Pop ist raus in Taipei, Klassik ist drin !
Cathay Pacific-Flug CX 450. Ich habe einen Fensterplatz und finde zum ersten Mal Zeit, zu bloggen. Aus dem Nähkästchen des Produktioners. Ich fühle mich heute leicht im Flugzeug und atme normal. Das hat Gründe. CX 450 hat uns keine Drehgenehmigung erteilt. Das Filmteam sitzt da und isst und schläft und liest und fliegt. Auch am Flughafen haben die vier Kameramänner keine Kamera angeschaltet. Dort war es auch verboten. Das ist ungewöhnlich. Im Prinzip bestand auf dem „Trip to Asia“ nämlich die Absicht, jede Bewegung des Orchesters zu filmen. Mein Job war es, das zu ermöglichen.
Also haben wir unsere Kameras benutzt: Wir haben Jumbos, Frachtflugzeuge, Hubschrauber, Schiffe, Fähren, U-Bahnen, Magnetschwebebahnen, Reisebusse, Kleinbusse und Limousinen gefilmt. In Flughäfen, Hotels und Konzerthallen. Und an vielen anderen Orten: Märkten, Tempeln, Wolkenkratzern, Restaurants und Spielhöllen in allen Städten, die wir bereist haben. Angesichts dessen hatten wir verblüffend wenig Ärger. Es wurde niemand verhaftet, oder ernsthaft verletzt und die Geräte sind heil.
Wie langweilig. Nicht-News. Dabei ist es fast ein kleines Wunder. In Zahlen: Es ging darum, 14 sensible Menschen aus 4 Ländern und 1 Tonne hochwertiger Technik quer durch 6 ostasiatische Mega-Metropolen zu schleifen. Jedes der ca. 70 technischen Packstücke musste durch den Zoll. Wir reisten mit Journalisten-, Entertainer-, und Gruppenvisa. (In China waren wir von der Gnade des Aussenkontaktbüros abhängig. 72 Stunden vor Abflug erlaubte man uns die Einreise.) In allen Ländern komplett verschiedene Mentalitäten, andere Währungen, andere Sprachen. Um uns herum ca. 150 Musiker und Musikmanagement. Wir waren bei 12 Konzerten in 7 verschiedenen großen Hallen dabei. Alle drei Tage haben wir eine Grenze in ein anderes Land überquert. Ein einziges Chaos.
Ich bin grad froh, mal einfach zu fliegen und keine Asiaten beschwatzen zu müssen, dass wir gerne das Cockpit entern, beim Landen daneben sitzen wollen, oder in den Frachtraum klettern wollen. Hah. Einfach nur Himmel und Wolken. Gerade erreichen wir die japanische Küste. Die Sonne geht unter. Das letzte Land. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Natürlich gab es Verluste: Vergessene Gepäckstücke warten in den Overhead-Lockern von Flugzeugen auf aufmerksame Putzfrauen. Lieblings-Kleidung hängt einsam in den Schränken verlassener Hotelzimmer. Meine persönliche Bilanz: 1 Paar schwarze Leder-Schuhe, 1 Anzug-Hose, 1 NOKIA-Ladegerät. Weg. Wo auch immer. Lost in translation. Mal fehlte auch ein Stück am Zoll, Schwitzen, Lächeln, Improvisieren und durch. Damit keine Menschen zurückblieben, haben wir sorgsam darauf geachtet, dass fiebrige Mitarbeiter vom Orchester-Arzt fitgespritzt wurden, damit sie auf den Flughäfen die Höchsttemperatur der Infrarot-Kameras am Quarantäne-Schalter nicht überschreiten. Dass niemand zurückblieb ist ohnehin verblüffend. Zusätzlich zur Zeitverschiebung nach Europa zwischen 7 bis 8 Stunden gab es nämlich noch die sogenannte „Halbe Boomtown-Stunde“. Diese musste bei allen Aktivitäten auf die normale Zeitverschiebung noch draufgerechnet werden. Dadurch hatten wir manchmal einen etwas anderen Rhythmus als der Rest der Tour. Die „Halbe-Boomtwon-Stunde“ trat besonders morgens zu Arbeitsbeginn auf und ist ein Gebilde aus Vergessen (das wichtige Kabel im Hotelzimmer), Verschlafen (wegen der zu langen Arbeitszeit), Verfrühstücken (weil’s so lecker ist) und Verärgerung (weil’s schon wieder so früh ist, und man sich heute einfach mal nichts sagen lassen will). Eine interessante Sache, aber als ich anfing, dieses Gebilde in die Planung einzubeziehen, war es auch schon kein Problem mehr.
Zum Glück hatten wir auch viele tolle (freiwillige und unfreiwillige) Helfer. Orchester-Management (Kai Schmidt), Orchesterwarte (Uwe Meyerjürgen) Agentur-Management (Donagh Collins), Reisebüro (Andreas Pernau), alle zogen nach kurzer Zeit an einem Strang. DANKE !
Peter, was wär ich ohne Peter. Der Weltenfilmer, der in Pakistan trotz 9/11 und Erdbeben seine Filme nach Hause gefahren hat. Pah - das bisschen Asien ist dagegen ja nix ! Diese Einstellung und Erfahrung hat mir die Ruhe gegeben, das große Ganze wird schon laufen. Danke, Peter. Und tatsächlich: Alle Theorie am Berliner Schreibtisch, alle Versuche Problemen im Vorfeld vorzubeugen, oder sie per Email und Telefon vorab zu lösen, waren überflüssig. Auf Tour wird alles einfach. Ich begann, nicht mehr 2 Wochen vorauszudenken, sondern genau 1 Tag. Mit allen Beteiligten konnte leicht im Flugzeugsitz, im Frühstücksraum vom Hotel geredet werden. Die persönliche Absprache mit Handschlag hinter der Bühne, der mündliche Deal bei Tee und totem Fisch im Restaurant, auf einmal ging alles seinen asiatischen Gang.
Mit Peter hatte ich auch zusammen auf einer Vorbereitungsreise im Oktober die ganze Tour schon mal abgeflogen und in jeder Stadt Filmemacher angeheuert, die uns helfen. Sie alle waren da und taten, was sie konnten und manche auch mehr als wir erwarten konnten. Dafür verlangten sie von uns nur hinreichende Informationen, pünktliches Geld und freundlichen Zuspruch.
MANY THANKS TO DREAMFACTORY (BEIJING, SHANGHAI), LJ ENTERTAINMENT (SEOUL), OCTOBER PICTURES (HONG KONG), FLASH FORWARD ENTERTAINMENT (TAIPEI), AND VIRGINEARTH (TOKYO)!
In Berlin konnten wir immer auf unser Office zählen (Stefanie Grube), deren gute Vorbereitung mit Info-Booklets, Business-Cards, T-Shirts, Namens-Batches, Strom-Adaptern und vielen anderen nützlichen Dingen (Bestechungsgeschenken für chinesische Zöllner und Schnäpsen für Geburtstagskinder) allem einen sehr professionellen Anstrich gegeben hat. Danke.
Das Regie-Team (Thomas Grube, Lukas Macher) hat mit einer Engelsgeduld und Nervenstärke diese Menge von Musikern nach Geschichten durchleuchtet und zum Mitmachen animiert. Groß, sehr groß, auch wenn mich die Engelsgeduld oft verrückt gemacht hat, wenn um 23:00 abends nicht klar war, was wir am nächsten Morgen machen wollen. Geht Musiker X jetzt Schmetterlinge fangen ? Haben wir Musikerin Y erreicht, wann sie morgen in einer Schule unterrichtet? Trifft Musiker Z jetzt morgen zum ersten Mal im Leben auf seine taiwanesische Großmutter ? Ich hab’s versucht, tapfer zu ertragen, und das Team hat über lange Strecken viel mitgemacht. Viele waren noch wach, wenn ich um 1:30 Uhr über die leeren Hotelflure spukte, um die Tagespläne für den nächsten Morgen unter den Türen durchzuschieben. Wann sie aufstehen müssen, erfuhren die meisten erst aus diesem Plan. Doch hat sich all das immer gelohnt: Wenn Musiker ABC dann nämlich am Morgen mit dem Team auf der Großen Mauer stand, dann kam dabei eigentlich immer was Besonderes heraus. Respekt, Tommy und Lukas.
Soviel Zuspruch und Unterstützung, wie von diesem Orchester kann sich jeder Filmemacher nur wünschen. Danke, Berliner Philharmoniker, für diese interessierte, warme, großzügige Stimmung, die in diesen Film sicher zu sehen sein wird.
Danke zuletzt - aber nicht an letzter Stelle - an alle Boomtowns, es wurde allen viel abverlangt. Aber zusammen haben wir was Besonderes geschafft. Die Bereitschaft, die eigenen Bedürfnisse zeitweilig gegenüber eines gemeinsamen Ziels zurückzustellen. Das Bemühen, dabei nicht zu glauben, dass man etwas verliert, sondern eher etwas gewinnt. Die Gabe, das Ganze noch mit Herz und Humor zu nehmen. That makes a film-team.
Andreas, der Assistent von Simon Rattle hat im Sitz neben mir die Augen geschlossen. Vielleicht ziehen in ihm die Bilder von gestern abend vorüber. Über 20.000 Taiwaner haben ihn und seinen Boss mit Ihren gleißenden Handy-Displays und glühend erregten Gesichtern vor der nächtlichen Konzerthalle in ein Meer aus Freude und Licht eintauchen lassen.
Pop ist raus in Taipei, Klassik ist drin !
Cathay Pacific-Flug CX 450. Ich habe einen Fensterplatz und finde zum ersten Mal Zeit, zu bloggen. Aus dem Nähkästchen des Produktioners. Ich fühle mich heute leicht im Flugzeug und atme normal. Das hat Gründe. CX 450 hat uns keine Drehgenehmigung erteilt. Das Filmteam sitzt da und isst und schläft und liest und fliegt. Auch am Flughafen haben die vier Kameramänner keine Kamera angeschaltet. Dort war es auch verboten. Das ist ungewöhnlich. Im Prinzip bestand auf dem „Trip to Asia“ nämlich die Absicht, jede Bewegung des Orchesters zu filmen. Mein Job war es, das zu ermöglichen.
Also haben wir unsere Kameras benutzt: Wir haben Jumbos, Frachtflugzeuge, Hubschrauber, Schiffe, Fähren, U-Bahnen, Magnetschwebebahnen, Reisebusse, Kleinbusse und Limousinen gefilmt. In Flughäfen, Hotels und Konzerthallen. Und an vielen anderen Orten: Märkten, Tempeln, Wolkenkratzern, Restaurants und Spielhöllen in allen Städten, die wir bereist haben. Angesichts dessen hatten wir verblüffend wenig Ärger. Es wurde niemand verhaftet, oder ernsthaft verletzt und die Geräte sind heil.
Wie langweilig. Nicht-News. Dabei ist es fast ein kleines Wunder. In Zahlen: Es ging darum, 14 sensible Menschen aus 4 Ländern und 1 Tonne hochwertiger Technik quer durch 6 ostasiatische Mega-Metropolen zu schleifen. Jedes der ca. 70 technischen Packstücke musste durch den Zoll. Wir reisten mit Journalisten-, Entertainer-, und Gruppenvisa. (In China waren wir von der Gnade des Aussenkontaktbüros abhängig. 72 Stunden vor Abflug erlaubte man uns die Einreise.) In allen Ländern komplett verschiedene Mentalitäten, andere Währungen, andere Sprachen. Um uns herum ca. 150 Musiker und Musikmanagement. Wir waren bei 12 Konzerten in 7 verschiedenen großen Hallen dabei. Alle drei Tage haben wir eine Grenze in ein anderes Land überquert. Ein einziges Chaos.
Ich bin grad froh, mal einfach zu fliegen und keine Asiaten beschwatzen zu müssen, dass wir gerne das Cockpit entern, beim Landen daneben sitzen wollen, oder in den Frachtraum klettern wollen. Hah. Einfach nur Himmel und Wolken. Gerade erreichen wir die japanische Küste. Die Sonne geht unter. Das letzte Land. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Natürlich gab es Verluste: Vergessene Gepäckstücke warten in den Overhead-Lockern von Flugzeugen auf aufmerksame Putzfrauen. Lieblings-Kleidung hängt einsam in den Schränken verlassener Hotelzimmer. Meine persönliche Bilanz: 1 Paar schwarze Leder-Schuhe, 1 Anzug-Hose, 1 NOKIA-Ladegerät. Weg. Wo auch immer. Lost in translation. Mal fehlte auch ein Stück am Zoll, Schwitzen, Lächeln, Improvisieren und durch. Damit keine Menschen zurückblieben, haben wir sorgsam darauf geachtet, dass fiebrige Mitarbeiter vom Orchester-Arzt fitgespritzt wurden, damit sie auf den Flughäfen die Höchsttemperatur der Infrarot-Kameras am Quarantäne-Schalter nicht überschreiten. Dass niemand zurückblieb ist ohnehin verblüffend. Zusätzlich zur Zeitverschiebung nach Europa zwischen 7 bis 8 Stunden gab es nämlich noch die sogenannte „Halbe Boomtown-Stunde“. Diese musste bei allen Aktivitäten auf die normale Zeitverschiebung noch draufgerechnet werden. Dadurch hatten wir manchmal einen etwas anderen Rhythmus als der Rest der Tour. Die „Halbe-Boomtwon-Stunde“ trat besonders morgens zu Arbeitsbeginn auf und ist ein Gebilde aus Vergessen (das wichtige Kabel im Hotelzimmer), Verschlafen (wegen der zu langen Arbeitszeit), Verfrühstücken (weil’s so lecker ist) und Verärgerung (weil’s schon wieder so früh ist, und man sich heute einfach mal nichts sagen lassen will). Eine interessante Sache, aber als ich anfing, dieses Gebilde in die Planung einzubeziehen, war es auch schon kein Problem mehr.
Zum Glück hatten wir auch viele tolle (freiwillige und unfreiwillige) Helfer. Orchester-Management (Kai Schmidt), Orchesterwarte (Uwe Meyerjürgen) Agentur-Management (Donagh Collins), Reisebüro (Andreas Pernau), alle zogen nach kurzer Zeit an einem Strang. DANKE !
Peter, was wär ich ohne Peter. Der Weltenfilmer, der in Pakistan trotz 9/11 und Erdbeben seine Filme nach Hause gefahren hat. Pah - das bisschen Asien ist dagegen ja nix ! Diese Einstellung und Erfahrung hat mir die Ruhe gegeben, das große Ganze wird schon laufen. Danke, Peter. Und tatsächlich: Alle Theorie am Berliner Schreibtisch, alle Versuche Problemen im Vorfeld vorzubeugen, oder sie per Email und Telefon vorab zu lösen, waren überflüssig. Auf Tour wird alles einfach. Ich begann, nicht mehr 2 Wochen vorauszudenken, sondern genau 1 Tag. Mit allen Beteiligten konnte leicht im Flugzeugsitz, im Frühstücksraum vom Hotel geredet werden. Die persönliche Absprache mit Handschlag hinter der Bühne, der mündliche Deal bei Tee und totem Fisch im Restaurant, auf einmal ging alles seinen asiatischen Gang.
Mit Peter hatte ich auch zusammen auf einer Vorbereitungsreise im Oktober die ganze Tour schon mal abgeflogen und in jeder Stadt Filmemacher angeheuert, die uns helfen. Sie alle waren da und taten, was sie konnten und manche auch mehr als wir erwarten konnten. Dafür verlangten sie von uns nur hinreichende Informationen, pünktliches Geld und freundlichen Zuspruch.
MANY THANKS TO DREAMFACTORY (BEIJING, SHANGHAI), LJ ENTERTAINMENT (SEOUL), OCTOBER PICTURES (HONG KONG), FLASH FORWARD ENTERTAINMENT (TAIPEI), AND VIRGINEARTH (TOKYO)!
In Berlin konnten wir immer auf unser Office zählen (Stefanie Grube), deren gute Vorbereitung mit Info-Booklets, Business-Cards, T-Shirts, Namens-Batches, Strom-Adaptern und vielen anderen nützlichen Dingen (Bestechungsgeschenken für chinesische Zöllner und Schnäpsen für Geburtstagskinder) allem einen sehr professionellen Anstrich gegeben hat. Danke.
Das Regie-Team (Thomas Grube, Lukas Macher) hat mit einer Engelsgeduld und Nervenstärke diese Menge von Musikern nach Geschichten durchleuchtet und zum Mitmachen animiert. Groß, sehr groß, auch wenn mich die Engelsgeduld oft verrückt gemacht hat, wenn um 23:00 abends nicht klar war, was wir am nächsten Morgen machen wollen. Geht Musiker X jetzt Schmetterlinge fangen ? Haben wir Musikerin Y erreicht, wann sie morgen in einer Schule unterrichtet? Trifft Musiker Z jetzt morgen zum ersten Mal im Leben auf seine taiwanesische Großmutter ? Ich hab’s versucht, tapfer zu ertragen, und das Team hat über lange Strecken viel mitgemacht. Viele waren noch wach, wenn ich um 1:30 Uhr über die leeren Hotelflure spukte, um die Tagespläne für den nächsten Morgen unter den Türen durchzuschieben. Wann sie aufstehen müssen, erfuhren die meisten erst aus diesem Plan. Doch hat sich all das immer gelohnt: Wenn Musiker ABC dann nämlich am Morgen mit dem Team auf der Großen Mauer stand, dann kam dabei eigentlich immer was Besonderes heraus. Respekt, Tommy und Lukas.
Soviel Zuspruch und Unterstützung, wie von diesem Orchester kann sich jeder Filmemacher nur wünschen. Danke, Berliner Philharmoniker, für diese interessierte, warme, großzügige Stimmung, die in diesen Film sicher zu sehen sein wird.
Danke zuletzt - aber nicht an letzter Stelle - an alle Boomtowns, es wurde allen viel abverlangt. Aber zusammen haben wir was Besonderes geschafft. Die Bereitschaft, die eigenen Bedürfnisse zeitweilig gegenüber eines gemeinsamen Ziels zurückzustellen. Das Bemühen, dabei nicht zu glauben, dass man etwas verliert, sondern eher etwas gewinnt. Die Gabe, das Ganze noch mit Herz und Humor zu nehmen. That makes a film-team.
Themen
Autoren
Blog abonnieren
Suche
Verwaltung des Blog




