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Dienstag, 8. November 2005, 05:56

Aller Anfang ...

Verfasst von Musiker Klaus Wallendorf in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

„Es wäre schön vom lieben Herrjott,
ließ´ er mich schlafen, hier im Marriott“,
schoss es mir gestern Nacht durch den überwachen Schädel. Das war gegen 4 Uhr 30, und durch die tagsüber so hermetisch dichten Hotelfenster konnte man mühelos die rückwärts fahrenden Baustellen-Fahrzeuge von den vorwärts fahrenden unterscheiden, am Piepsen. Was die da wohl bauen, nachts? In Seoul steht schon so viel. In Peking hätte man´s durch den Smog gar nicht erst erkennen können. Dort haben wir zwei Proben und die damit verbundenen zwei Konzerte bewältigt, die Große Mauer besucht (trotz aller Vandaleneinfälle noch immer ohne Graffiti!), die Ming-Gräber, die Verbotene Stadt, Starbucks, das Restaurant „Le Quai“ gegenüber dem Werktätigen-Stadion…ah ja, dorthin hatte uns mein alter Freund (Don) Huang eingeladen; …es gab Erlesenes und Gesottenes…unseren „Kinesen an der Ecke“ kann und muss man nach einem solchen Mahl einfach für lange Zeit vergessen. Schlecht essen in China? Für den Tourneemusiker schwierig. Der Verpflegungsautomat im Poly Theatre enthält allerdings – für 5 Yüan – neben herkömmlichen Erdnüssen oder Schokoriegeln auch eine Anzahl eingeschweißter Hühnerfüße…also…nicht Schweißfüße vom Huhn, sondern, Ihr wisst schon…in der Plastiktüte; die heißen ZHANG SHANG GONG FU und mehr weiß man nicht.

Der Konzertsaal hängt voller Schilder, denen man z.B. entnehmen kann, dass “Smoking and fighting is prohibited; please observe public morality in the theatre“ und wer dort schon so alles außer uns aufgetreten ist: „The Australian Tip-Tap Dog Dance Troupe“ etwa, „The Russia Red Hag Fast East Military Song and Dance Group“, „The Ireland Gacique Band“ oder der „Air Force Blue Sky Art Kindergarten“.

Bei so wenig Zeit zwischen so viel Neuem und Alten kommt man sich vor wie die japanischen Reisegruppen auf der Tour „Europa in 48 Stunden“ – bei der Besichtigung des Tian´anmen-Platzes und der Verbotenen Stadt erfuhr unsere Gruppe alles wesentliche über…ja wirklich!...das Paarungsverhalten der Pandas, der kaiserlichen Konkubinen und der chinesischen Ehefrau als solcher, sobald sie den sagenhaften Drachenstatus erlangt hat, der sie laut Reiseführer Max als „die am besten Böserin“ ausweist. Auf der Strecke von Peking hierher gab´s Fliegenden Fisch. Außerdem ist man dauernd müde. Und die Fenster gehen nicht auf. Und heute wird nicht geübt. Und jetzt ist erstmal Schluss, wir gehn schwümm. Body and Seoul.



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Samstag, 5. November 2005, 18:53

Moloch Peking

Verfasst von Komponist Simon Stockhausen in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

Haus im Nebel/ Smog (Peking)
Nachdem ich heute die menschenfeindliche Seite Pekings richtig kennengelernt habe, mußte ich mich mit ein paar Klängen vom Coal Mountain wieder beruhigen(siehe unten). Mein Klang-Thema war heute Verkehr und nach ein paar Stunden im Verkehrssmog von Peking war ich echt bedient. Die Erfindung des Autos war definit kein Segen, hier leben 17.000.000 Menschen und davon haben erst 10 Prozent ein Auto, was zu einem echten Smog-Problem führt. Wenn irgendwann der "Wohlstand" westlichen Zuschnitts hier einkehren sollte, mit all seinen materiellen Segnungen und dazu gehört eben auch das Auto, dann wirds richtig böse.
Aber nun zu den ruhigeren und bezaubernden Klängen des Coal Mountains, wo ich gestern morgen um 6.30 den Frühsport der Pekinger erleben durfte. Die Menschen stehen einfach unter den Bäumen und rufen, schreien, singen, tanzen, machen Tai Chi und beginnen ihren Tag scheinbar sehr bewußt. Faszinierend! Hier ein winziger Ausschnitt, collagiert mit ein paar leisen Schlagzeugklängen.coalmountain.mp3 copyright S.Stockhausen
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Samstag, 5. November 2005, 16:22

Die späte Rache des Jetlag

Verfasst von Regieassistent Lukas Macher in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

Heute morgen 6:30 Uhr am Coal Mountain. Pekings Senioren betreiben Frühsport.
Immer dieser dritte Tag... Nachdem ich die ersten beiden Tage trotz konsequentem Schlafmangel gut, beinahe unbeeinträchtigt, überstanden habe, bin ich heute morgen mit diesem "This is gonna be a bad day"-Gefühl aufgewacht. Zuerst schien auch wirklich nichts zu klappen, ich bin zwischendrin während der Dreharbeiten eingeschlafen, meine gute Laune, mit der ich die Reise angetreten habe, war stark angeschlagen, aber jetzt fühlt sich alles wieder besser an - Grund ist ein wirklich sehr schönes zweites Konzert (das letzte in Peking). Sobald wir die Kameras vom Regieraum aus steuern, sind wir mitten in der Musik, und das entschädigt einen auch für hundert Tage Jetlag...
"Die späte Rache des Jetlag" vollständig lesen
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Freitag, 4. November 2005, 19:17

Entrückte Zeiten

Verfasst von Regisseur Thomas Grube in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

mission control: Unser Regieraum, von wo aus wir die Konzertaufnahmen steuern
Die Soundspezialisten Klaus Peter Groß und Kai Mielisch nehmen jedes Konzert in erstklassiger 5.1 surround Qualität auf
Es gibt einen Grund dafür, dass die Tagebucheinträge heute und gestern auf sich warten liessen. Das Team hat seit der Ankunft in China zwei Nächte jeweils nur 3 Stunden geschlafen. Nicht nur die Zeitumstellung macht uns und auch vielen Musikern zu schaffen, sondern für uns auch die Tatsache, dass wir vor den Philharmonikern aufstehen und nach ihnen ins Bett gehen. Jeder gibt hier alles, aber das ist ja (umgeben von diesem Orchester) ziemlich selbstverständlich. Heute endlich die erste Probe und das erste Konzert. Spannend dabei: wie wird das chinesische Publikum reagieren? Beim letzten Konzert in Peking vor 26 Jahren mit Herbert von Karajan wurde das Konzert noch mit Fahrradklingeln - die von aussen in die Konzerthalle drangen - und angeregte Unterhaltung der Besucher während des Konzerts bereichert. Heute war es mucksmäuschenstill und es gab großen Applaus! Unser tapferer Tourmanager Donagh Collins ist heute 31 Jahre alt geworden. Happy Birthday Donagh!

Stanley Dodds (2. Violine) ist auf der Suche nach seinen chinesischen Roots
Lukas und ich beim Versuch Beethoven zu bändigen
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Freitag, 4. November 2005, 18:29

kleine nachtcollage

Verfasst von Komponist Simon Stockhausen in BEIJING, 2.FILM PRODUCTION | ON TOUR

Ich konnte unmöglich schlafen gehen ohne ein paar Schätze des heutigen Tages zu sichten und daraus eine kleine Flüster-Nachtcollage zu machen. Jetzt falle ich ins Bett.Simon
flstercollage.mp3 copyright S.Stockhausen

Nach 2 Stunden bin ich schon wieder wach(4 Uhr morgens), nachdem ich gerade einen irren Traum hatte, soviele Eindrücke gilt es zu verarbeiten. Also noch ein bisschen arbeiten??Ja!!Hier noch eine kleine Strassenszene von heute.

Auf der Mauer in der Seilbahn
die Geldzählerin

Gruss, Thommy
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